Ergolding/LA - Fischergasse

Country/Area

Community

Ergolding/LA

Place name

Fischergasse

Type of site

Pile Dwelling Site (PD / S3)

Last edited by

admin

Last update

Thu, 02/19/2015 - 17:15

Responsible for site

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4
80539 München
e-mail: juergen.obmann@blfd.bayernde

Administrative contact

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Hofgraben 4 D - 80539 München
Extension (ha): 
0,85
Height above sea level (m): 
392,00

Map of pile dwelling sites

Dating text

Ergolding-Fischergasse belongs to the late Neolithic Altheim culture. The C14 dates indicate an age between 3640-3380 cal BC. A dendrochronological middle curve with a final date of 3732 BC has been determined for a two-phased row of posts. Wanes and sapwood are missing however. / Die Fundstelle Ergolding-Fischergasse ist der jungneolithischen Altheimer Kultur zuzuordnen. Die C14-Daten nennen ein Alter zwischen 3640 und 3380 cal BC. Für eine zweiphasige Pfostenreihe konnte eine dendrochonologische Mittelkurve mit einem Enddatum für das Jahr 3732 v. Chr. ermittelt werden, allerdings ohne Splintholz und Waldkante.

Description

The site was discovered in 1981 during building activities on the property in the Fischergasse No. 6. From 1982 to 1984 and in 1986/1987 British archaeologists – B. S. Ottaway and S. Aitchison – excavated in the surroundings of the estate. In all, roughly 1250 m² were dug out. An additional drilling programme collected data on the extension of the settlement. It is situated on a narrow, lower terrace that originated in the Würm Ice Age. Behind this terrace, another terrace rises. It was formed in the Riss Ice Age and provides fertile loess soil. The Fischergasse is located in the southwestern outskirts of Ergolding in a densely populated area. A small brook – the Schinderbach – floats through the terrain. The structures from the Altheim period were built on wet peat in the floodplain. They were covered by alluvial deposits of loess in which the majority of the late Neolithic finds – mostly pottery shards – could be discovered. While the peat layers still lie below the ground-water table in some areas, there is no longer any wetland preservation in the layers of alluvial loess. The latter probably developed through erosion caused by Neolithic forest clearing. Farming took place on the loess ridge in the immediate vicinity of the settlement. The late Neolithic layers could be divided into three horizons. Whether or not this indicates a multi-phased character of the site cannot be determined due to the poor preservation of the Neolithic remains. The features are in great danger of drying up. Furthermore, Carolingian developments caused massive destructions of the remaining prehistoric structures. A total of only two west-east running fences and an accompanying wooden path lined with planks anchored in vertical posts could be found. The fences were made of oak posts intertwined with birch branches. Layers of intersecting oak wood may represent the remains of a floor from a ground-level house. Various shard pavements served as substructures for ovens inside the houses. A crouched inhumation found in the highest Neolithic layers marks an unique feature from the Altheim culture. Cattle dominated among the domestic animals. It was raised for meat and hence butchered young. Red deer was the most hunted animal. Many unfinished parts and leftovers of raw material document the production of a wide variety of objects made from bone or antler. Ergolding-Fischergasse is similar to the other known wetland settlements of the Altheim culture in Bavaria. However, unlike the situation in most wetland settlements, the features are not covered by a permeable layer of detritus. As a result, their preservation is extremely dependent on the local ground-water level. / Entdeckt wurde die Fundstelle im Jahre 1981 bei Bauarbeiten im Bereich des Anwesens Fischergasse Nr. 6. 1982 bis 1984 und 1986/1987 ließ das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Archäologen aus Großbritannien - B. S. Ottaway und S. Aitchison - Grabungen im Bereich der Fundstelle Ergolding-Fischergasse durchführen. Insgesamt wurden rund 1250 m² ergraben und die Gesamtausdehnung des Siedlungsareals mittels eines Bohrprogramms erfasst. Der Markt Ergolding bei Landshut liegt am nördlichen Isarufer auf einer schmalen, würmzeitlichen Niederterrasse, welche einer breiteren risszeitlichen Hochterrasse und dem nördlich anschließenden tertiären Hügelland Niederbayerns vorgelagert ist. Hier ist das Verbreitungszentrum der Altheimer Kultur zu suchen. Die Fundstelle in der Fischergasse befindet sich am südwestlichen Ortsrand von Ergolding auf niedermoorigem Gebiet unterhalb der eigentlichen Lössflächen, im Zwickel zwischen dem westlich von Ergolding entspringenden Schinderbach und einem ehemaligen Zufluss der Isar. Erstgenannter nahm seinen Ursprung im tertiären Hügelland, durchfloss die eiszeitlichen Lössflächen und mäandrierte schließlich weiträumig durch die Isaraue, wo er sich mit dem namensgebenden Hauptfluss vereinte. Die Altheimer Siedlung in der Fischergasse gründete auf den feuchten Torfablagerungen im Bereich der Bachaue des Schinderbaches. Darüber stehen Schwemmschichten aus Lösslehm an, in denen das Gros der jungneolithischen Funde angetroffen wurde. Während die Torfschichten stellenweise noch unterhalb des Grundwasserspiegels liegen, was eine partielle Feuchtbodenerhaltung der ergrabenen Holzbefunde bedingte, ist in den Schwemmlössschichten bereits keine Feuchtbodenerhaltung mehr gegeben. Dort konnten keine hölzernen Siedlungsbefunde entdeckt werden. Vermutlich entstanden die Schwemmschichten durch Erosion im Zuge neolithischer Rodungen, welche für den Ackerbau in den hangaufwärts gelegenen, trockenen Lössflächen vorgenommen wurden. Auch Ackerunkräuter belegen, dass der Feldbau in unmittelbarer Nähe zur Siedlung stattfand. Einen ganz ähnlichen topographischen, stratigraphischen und botanischen Befund kennt man aus der 5 km nordöstlich gelegenen, ebenfalls altheimzeitlichen Feuchtbodenfundstelle Essenbach-Koislhof. Stratigraphisch konnte das jungneolithische Schichtpaket in Ergolding-Fischergasse in drei Abschnitte unterteilt werden. Überdeckt wird das Ganze von Kolluvium aus der Zeit nach der neolithischen Besiedlung. Ob sich hieraus eine Mehrphasigkeit der Fundstelle ableiten lässt, ist jedoch aufgrund der schlechten Erhaltung der neolithischen Bausubstanz nicht zu beurteilen. Die Befunde sind erheblich von Austrocknung bedroht. Zudem haben karolingerzeitliche Bodeneingriffe massive Zerstörungen an den noch erhaltenen prähistorischen Strukturen hervorgerufen. Insgesamt konnten nur zwei in West-Ost-Richtung verlaufende Dorfzäune und ein begleitender Knüppelweg beobachtet werden. Die Zäune waren aus Eichenpfählen gefertigt und mit Flechtwerk aus Birkenzweigen verbunden. Ähnliche siedlungsbegrenzende Zäune kennt man auch aus den altheimzeitlichen Feuchtbodensiedlungen Pestenacker (DE-BY-01) und Unfriedshausen (DE-BY-02) im Tal des verlorenen Baches bei Landsberg am Lech. Der befestigte Weg war aus horizontal verlegten Bohlen geschaffen worden, die man in senkrechten Pfählen verankert hatte. Eine Lage kreuzweise geschichteter Eichenhölzer kann womöglich - vergleichbar mit Befunden aus Essenbach-Koislhof - als Rest eine ebenerdigen Hausbodens interpretiert werden. Vollständige Hausgrundrisse ließen sich zwar nicht rekonstruieren, allerdings bieten diverse Scherbenpflaster einen Hinweise auf den Standort von Wohnbauten. Offensichtlich waren diese Pflasterungen Fundamente für Backöfen innerhalb der Häuser. Einen besonderen Befund für altheimzeitliche Zusammenhänge markiert ein (gestörtes) Hockergrab im obersten Bereich der neolithischen Kulturschichtablagerungen. Das Fundmaterial aus den neolithischen Schichten ließ sich der Altheimer Kultur zuweisen. Eine feinchronologische Untergliederung des zumeist keramischen Fundgutes stellt sich derzeit jedoch als außerordentlich schwierig dar. Gute Entsprechungen finden sich im Inventar der nahegelegenen Feuchtbodensiedlung Essenbach-Koislhof. Silex wurde vor allem aus den Lagerstätten des Altmühltals und des Donaubogens bezogen. Diverse Pflanzenreste aus Ergolding-Fischergasse geben einen Eindruck davon, wie die jungeneolithischen Siedler ihr Umland bewirtschafteten. Emmer und Einkorn stellten die gängigen Getreidearten dar, unter den Sammelpflanzen waren Äpfel sowie verschiedene Beeren und Nüsse vertreten. Die zahlreichen Tierknochen aus Ergolding-Fischergasse gewähren eine detaillierten Einblick in die Viehzucht, das Jagdverhalten und die Geräteherstellung der einstigen Siedler. Wie allgemein üblich, überwogen Haustier- gegenüber Wildtierknochen (Verhältnis 4:1). Unter den Haustieren dominierte das Rind, gefolgt von Schaf/Ziege, dem Schwein und dem Haushund. Milchwirtschaft kannte man nicht, die Rinder wurden zum Zwecke der Fleischgewinnung gezüchtet und dementsprechend jung geschlachtet. Bejagt wurde primär der Rothirsch, eine hervorragender Fleisch- und Rohmateriallieferant. Außerdem stellte man dem Biber, Sumpfschildkröten (als Jagdbeute auch bekannt aus Pestenacker und Unfriedshausen) sowie diversen Vogel- und Fischarten nach, was angesichts der Nähe zu Isar und Schinderbach - inmitten einer neolithischen Auenlandschaft - nicht weiter verwundert. Dabei verwendete man u. a. Geschoßspitzen, Vogelpfeifen oder Angelhaken aus Knochen als Jagdinstrumente. Zahlreiche Werkstücke und Rohmaterialreste belegen die Herstellung verschiedenster Gerätschaften und Schmuckgegenstände aus Knochen bzw. Geweih innerhalb der Siedlung. Besonders hervorzuheben ist hier ein Gürtelhaken aus Geweih mit mutmaßlich figürlicher Punktzier. Ergolding-Fischergasse gleicht in vielerlei Hinsicht den anderen bekannten Feuchtbodensiedlungen der Altheimer Kultur in Bayern. Mit Essenbach-Koislhof, Pestenacker und Unfriedshausen hat die Fundstelle ihre Lage in einer Bachaue sowie zahlreiche Aspekte der Wirtschaftsweise und des Siedlungsbaus gemein. Im Gegensatz zur üblichen Situation in einer Feuchtbodensiedlung, sind die Kulturschichtablagerungen jedoch nicht von wasserdurchlässigem Detritus überdeckt, so dass ihre Erhaltung stark vom Pegel des lokal anstehenden Grundwasser abhängt. Hier liegt das größte Gefährdungspotential für die noch nicht ergrabenen Bereiche der Fundstelle.

Bibliography comment

Engelhardt 1994, 41-87; Hanöffner 2009, 171-185; Ottaway 1982, 32-34; Ottaway 1992a, 689-701; Ottaway 1995; Ottaway/Hill 1985, 38-45.