Essenbach/LA - Koislhof

Country/Area

Community

Essenbach/LA

Place name

Koislhof

Type of site

Pile Dwelling Site (PD / S3)

Last edited by

admin

Last update

Thu, 02/19/2015 - 17:16

Responsible for site

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4
80539 München
e-mail: juergen.obmann@blfd.bayernde

Administrative contact

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Hofgraben 4 D - 80539 München

Dating

Years BC

Extension (ha): 
6,00
Height above sea level (m): 
386,00

Map of pile dwelling sites

Dating text

The site shows C14 dates that range between 3640 and 3510 cal BC. Hence, Essenbach-Koislhof was inhabited at the height of the late Neolithic Altheim culture in the middle of the fourth millennium BC. Dendrochronological dating of the wooden features could not be undertaken due to a lack of wanes and sapwood. / Die Fundstelle weist C14 Daten zwischen 3640 und 3510 cal BC auf. Folglich lässt sich Essenbach-Koislhof der Blütezeit der jungneolithischen Altheimer Kultur Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. zuordnen. Dendrochronologische Datierungen konnten an den Holzbefunden nicht vorgenommen werden, da Waldkanten und Splinthölzer fehlten.

Description

Essenbach-Koislhof is situated at the southern edge of a narrow, lower terrace along the northern shore of the river Isar. The terrace dates back to the Würm Ice Age. Amidst a landscape that is used for agriculture, the Koislhof, an isolated farm, lies approx. 500 m south of the outskirts of modern Essenbach. There are various sites from the late Neolithic Altheim culture in the surroundings of the Koislhof. Of particular interest is an area about 200 m to the northwest of the farm. Its location in the peat zone along the shore and on both sides of the Sendelbach brook accounts for its wetland preservation. The course of the Sendelbach has been straightened in modern times and runs through the prehistoric settlement area. In Neolithic times however, the brook meandered more and flowed around the village. After numerous surface finds had been collected, a drilling programme was conducted in the prospected area in 1985. It indicated the presence of a Neolithic wetland settlement from the Altheim culture in the floodplain of the Sendelbach. The excavation of two small trial trenches followed in 1991. Further drilling undertaken in the year 1992 made it possible to identify an L-shaped area measuring at least 70 x 130 m in which indications of settlement were found. All activities at Essenbach-Koislhof were led by British archaeologists, especially B. S. Ottaway. Those were the same scientists that had already been excavating at nearby Ergolding-Fischergasse. Amongst other wooden features, the substructure of a house floor with intersecting layers of split wood was discovered. The houses thus appear to have been built even with the ground. Oak, beech, and fir trees served as construction material. Weeds that are characteristic for the agricultural use of an area could be detected in the soil samples from the site. They indicate that farming took place in the immediate vicinity of the settlement. Significantly, there is a fertile ridge of loess to the north of the site which was probably cultivated by the Neolithic settlers. Although there have not yet been extensive excavations at Essenbach-Koislhof, the information that has already been gathered reveals considerable similarities to the wetland settlement in Ergolding. Both sites are located in the centre of the Altheim culture in the tertiary hills of Lower Bavaria. They are covered by deposits of loess soil and situated in the peat along the brookside of small bodies of flowing water. Their ceramic inventories correlate well to one another. As the features at the Koislhof lie deeper in the ground water, the wooden remains are better preserved than those in Ergolding-Fischergasse. However, neither site is protected by a permeable layer of detritus. / Essenbach-Koislhof liegt, wie auch der vergleichbare Fundort Ergolding-Fischergasse, am südlichen Rand der schmalen, würmzeitlichen Niederterrasse des nördlichen Isarufers in der Nähe von Landshut in Niederbayern. Der Einsiedlhof ist eingebettet in landwirtschaftlich genutzte Flächen; rund 500 m südlich des modernen Ortsrandes von Essenbach. Unweit des Koislhofs - ca. 5 km nordwestlich der Siedlungsstelle Ergolding-Fischergasse und in unmittelbarer Nähe zum eponymen Fundort Altheim - liegen verschiedene Fundstellen der jungneolithischen Altheimer Kultur. Von besonderem Interesse ist hierbei ein Platz, der sich rund 200 m nordwestlich des Koislhofs befindet. Seine Lage in der uferbegleitenden Torfzone beiderseits des dort in nordwestlich-südöstlicher Richtung fließenden Sendelbaches bedingte dessen Feuchtbodenerhaltung. Der Verlauf des Sendelbaches ist heutzutage begradigt. Wie auch in Pestenacker, Gemeinde Weil (DE-BY-01), durchquert der moderne Bachlauf das prähistorische Siedelareal in Essenbach-Koislhof. Im Neolithikum mäandrierte der Bach stärker und umfloss die Siedlung. Vom nordwestlich gelegenen, tertiären Hügelland kommend zog er sich über die eiszeitlichen Lössflächen hin und mündete schließlich in der Isar. Über einen längeren Zeitraum hinweg wurden in dem betreffenden Areal nordwestlich des Koislhofes Oberflächenfunde der mittelneolithischen Münchshöfener und der jungneolithischen Altheimer Kultur aufgelesen. 1985 ließen zeitgleich mit den Untersuchungen in Ergolding-Fischergasse durchgeführte Bohrkernprospektionen darauf schließen, dass auf dem Gelände eine altheimzeitliche Siedlung vorhanden ist. Einige Bohrkerne förderten (keramische) Fundstücke unterhalb des Grundwasserspiegels zu Tage, was ebenso wie die Lage in der Torfzone der Bachaue auf Feuchtbodenerhaltung hindeutete. 1991 legte man daraufhin insgesamt zwei kleinere Suchschnitte an, 1992 folgten sodann weitere Bohrungen, um die Gesamtausdehnung des Siedlungsareals zu erfassen. Federführend waren dabei - wie in Ergolding-Fischergasse - britische Archäologen, allen voran B.S. Ottaway. Die Suchschnitte des Jahres 1991 bewiesen, dass es sich um eine Altheimer Siedlung mit hölzernen Baustrukturen handelte. U. a. konnte ein Hausboden aus sich überkreuzenden Spaltholzlagen aufgedeckt werden. Die Häuser scheinen also ebenerdig angelegt gewesen zu sein, hoben sich jedoch mittels des beschriebenen Holzrostes leicht vom feuchten Untergrund ab. Vergleichbare bauliche Strukturen kennt man auch aus den bayerischen Feuchtbodensiedlungen in Pestenacker (DE-BY-01), Unfriedshausen (DE-BY-02) und Ergolding-Fischergasse. In Analogie zu letztgenanntem Fundort gründeten die Befunden vom Koislhof unmittelbar auf der bachnahen Torfschicht. Darüber lagerten sich Schwemmschichten aus Lösslehm ab, die mit zahlreichen neolithischen Funden durchsetzt sind. Insbesondere das keramische Fundmaterial beider Plätze entspricht sich weitestgehend. Da die Siedlungsschicht am Koislhof jedoch tiefer in das Grundwasser hinabreicht, gibt es dort eine weitaus besser Holzerhaltung als in Ergolding, auch wenn hier wie dort eine wasserleitende, überdeckende Detritusschicht fehlt. Als Baumaterial diente Eichen-, Buchen- und Tannenholz. Anhand des Bohrprogramms von 1992 wurde eine mindestens 70 x 130 m große, unregelmäßig L-förmige Fläche identifiziert, in der sich Siedlungsindikatoren (Keramik, Bauholz) fanden. Pollenprofile mit Ackerunkräutern aus dem Feuchtboden am Koislhof zeigten, dass dort mit siedlungsnahem Ackerbau zu rechnen ist. Bezeichnenderweise steigt nördlich der Fundstelle ein fruchtbarer Lössrücken an, der den neolithischen Bewohnern der Siedlung als Ackerfläche gedient haben dürfte. Auch hier gibt es Analogien zur topographischen und botanischen Situation in Ergolding-Fischergasse. Obwohl flächige Grabungen am Koislhof noch ausstehen, lassen die bisherigen Erkenntnisse dennoch große Gemeinsamkeiten mit der Feuchtbodensiedlung in Ergolding erkennen. Inmitten des Verbreitungsschwerpunktes der Altheimer Kultur rund um das tertiäre Hügelland Niederbayerns gelegen, markiert Essenbach-Koislhof eine jungneolithische Talauesiedlung im Feuchtboden, die Forschungspotential für die Zukunft bereithält.

Bibliography comment

Hanöffner 2009, 171-185; Ottaway 1991, 39-43; Ottaway 1992b, 40-42.