Feldafing, unincorporated area/STA - Rose Island

Country/Area

Community

Feldafing, unincorporated area/STA

Place name

Rose Island

Type of site

UNESCO-World Heritage Site (WH / S1)

Last edited by

admin

Last update

Thu, 02/19/2015 - 17:16

Responsible for site

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4
80539 München
e-mail: juergen.obmann@blfd.bayernde

Administrative contact

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Hofgraben 4 D - 80539 München
Extension (ha): 
15,16
Height above sea level (m): 
584,00

Map of pile dwelling sites

Dating text

Finds from the middle Neolithic Münchshöfen Group, the late Neolithic Altheim culture and the Cham group, from the early to the late Bronze Age, from the Urnfield period, as well as from the La Tène period indicate, that the island must have been inhabited repeatedly in prehistoric times. Dendrochronological data from the Urnfield culture covers a period between 1061 and 900 BC. Iron Age features provided C14 data ranging between 2433 +/- 24 and 2308 +/- 23 cal BP. / Vermutlich stammen die bislang frühesten Hinweise für menschliche Anwesenheit auf der Roseninsel aus der mittelneolithischen Münchshöfener Gruppe, also aus der zweiten Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrtausends. Siedlungsspuren lassen sich diesen Funden derzeit noch nicht zuweisen. Im Folgenden wurde die Insel in vorgeschichtlicher Zeit immer wieder aufgesucht, was vereinzelte Funde der jungneolithischen Altheimer Kultur, der spätneolithischen Chamer Gruppe, der frühen Bronzezeit (Bz A), der mittleren Bronzezeit (Bz B und C), der späten Bronzezeit (Bz D), der Urnenfelderzeit (Hallstatt A und B) und auch der La-Tène-Zeit (LT A – D) deutlich machen. Zahlreiches Fundgut stammt aus der Übergangsperiode zwischen früher und mittlerer Bronzezeit, d. h. aus den Stufen Bz A2 und B1 (17./16. Jahrhundert v. Chr.). Die Urnenfelderzeit ist im archäologischen Inventar der Roseninsel außerordentlich stark vertreten. Diese markiert bislang die Hauptbesiedlungszeit des Platzes. Insbesondere gilt dies für die Stufe Hallstatt B (1050/25 – 800 v. Chr.); die jüngere Urnenfelderkultur. Für die Urnenfelderzeit liegen Dendrodaten zwischen 1061 und 900 v. Chr. vor, welche diverse Hölzer aus dem Flachwasser vor dem Westufer der Insel lieferten. Bemerkenswert sind die Ergebnisse von Radiokarbonanalysen, welche an eisenzeitlichen Konstruktionshölzern aus den Gewässern vor der Nordostspitze der Roseninsel durchgeführt wurden. Sie erbrachten kalibriert 14C-Daten zwischen 2433 +/- 24 BP und 2308 +/- 23 BP. Für die Besiedlung der Insel in provinzialrömischer Zeit sowie im frühen und hohen Mittelalter gibt es ebenfalls zahlreiche Belege.

Description

Rose Island is located in front of the western shore of Lake Starnberg. It is surrounded by extended shallow water zones, where numerous archaeological features such as pile foundations, parallel stake rows and countless worked timbers can be found. The prehistoric remains on the island itself have been disturbed to a large extent due to royal developments between 1853 and 1856. Gravel landfills increased the size of Rose Island from 1.27 ha at the beginning of the 19th century to 2.56 ha nowadays. After the discovery of prehistoric settlement remains in the littoral in 1864, S. von Schab conducted several excavations on site until 1874. He dug a total of 76 pits with an over-all area of 1295 m² in the temporarily dry shallow water zones. To date, von Schab’s excavations represent the most comprehensive archaeological examinations carried out at the site. Modern research began with the discovery of a logboat in front of the western shoreline in 1986. It was embedded into undisturbed cultural layers from the Urnfield culture and could be excavated and recovered between 1987 and 1990 by the BGfU e. V. The boat measured c. 13.5 m in length and dated into the year 900 BC. Therefore, it is considered the oldest dugout canoe in Bavaria and the largest prehistoric vessel of its kind in Central Europe. In the years 1987 and 1990, a drilling programme gathered information on the stratigraphy in the shallow waters around Rose Island. Small archaeological measures underwater and on the island followed in 1991, 1992, 1994, 1998 and 2002. Finally, the waters at the north-eastern tip were examined by the BGfU e. V. between 2005 and 2007. Wooden remains as well as occupation layers of considerable thickness seem to concentrate in the waters in front of the leeward western shore. The exposed eastern and northern shores facing the open water are threatened by erosion caused by the surf. However, layers of anthropogenic origin and concentrations of uncovered construction timbers could also be identified there. The southern shore of the island has been reshaped due to landfills of the 19th century. Rose Island reached its peak in the transition phase between the early and middle Bronze Age, and especially in the mid-to late-Urnfield culture. Displaced sill beam constructions – an evidence for ground-level houses - in the waters at the north-eastern tip date back to the end of the Hallstatt or the early La Tène period (end – 6th to early – 4th century BC). Rose Island thus marks an unique site on the Iron Age map of Central Europe and among the lakeshore settlements. Generally speaking, this type of settlement died out at the end of the Urnfield culture. Not at Rose Island though. / Die Roseninsel liegt auf Höhe des Feldafinger Strandes vor dem Westufer des Starnberger Sees. Dort ragt sie als spätglazialer Schutthügel aus dem Wasser. Ihre Entstehung ist vermutlich auf eine Stockung des Eisrückzuges am Ende der Würmeiszeit zurückzuführen, in deren Folge Moränenmaterial an der Gletscherfront abgelagert wurde. Ausdruck dieses Prozesses ist eine ausgedehnte Flachwasserzone rund um die Insel. Zu Zeiten niedriger Pegelstände des Sees waren diese Areale zeitweilig ganz oder teilweise besiedelt, was zahlreiche archäologische Befunde wie Pfostenstellungen, uferparallele Palisadenreihen und liegende Bauhölzer deutlich machen. So geht unter anderem vom Südufer eine undatierte Doppelpfostenreihe ab, eine Untiefe zwischen Insel und Festland wird von einer Pfahlstellung unbekannter Zeitstellung umgeben und eine bis 12 Reihen tief gestaffelte urnenfelderzeitliche Palisade umfasst die gesamte Insel. Auf Geheiß Maximilians des II. wurde die vormalige Fischerinsel Wörth zwischen 1853 und 1856 zur königlichen Roseninsel umgestaltet. Man planierte das gesamte Gelände, errichtete eine herrschaftliche Villa – das sogenannte Casino -, ein Gärtnerhaus und legte einen hainartigen Inselpark samt Rosengarten an. Die archäologische Befundsituation im Inselkern wurde dabei im großen Umfang gestört. Mittelalterliche Bodeneingriffe – der Bau einer gotischen Inselkirche des 12. Jahrhunderts, die Anlage eines zugehörigen Friedhofes sowie die Errichtung einer Motte – hatten die prähistorischen Befunde bereits zuvor massiv in Mitleidenschaft gezogen. Im Rahmen der Baumaßnahmen des Hauses Wittelsbach veranlasste der Architekt F.-J. Kreuter Kiesanschüttungen an der Insel. Maß diese zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch 1,27 ha, wuchs ihre Größe dadurch auf 1,72 ha an. Heutzutage umfasst die Insel eine Fläche von 2,56 ha. Einige befundführende, ehemalige Flachwasserzonen sind dementsprechend bis zum heutigen Tage unter angeschütteten Kiesmassen verborgen. Vom gegenüberliegenden Festland ist die Insel durch eine bis zu 16 m tiefe, geologisch entstandene Rinne getrennt. Folglich war die Roseninsel zu keiner Zeit ihrer Besiedlung auf dem Landweg erreichbar. Brückenanlagen von und zur Insel - die sogenannte Obere und die Untere Brücke in den Gewässern südwestlich beziehungsweise nordwestlich der Roseninsel - existierten zwar, Prospektionen der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V. in den Jahren 2002-2004 zeigten jedoch, dass es sich hierbei um spätmittelalterliche Anlagen aus dem 14. Jahrhundert n. Chr. handelt. Hinweise auf prähistorische Brückenanlagen fanden sich bislang nicht. In vorgeschichtlicher Zeit war die Insel demnach nur mit Wasserfahrzeugen zu erreichen. Davon legt ein knapp 13,50 m langer Einbaum Zeugnis ab, der 1986 vor dem Westufer der Roseninsel entdeckt wurde. Bemerkenswert war seine stratigraphische Einbettung in ein ungestörtes Kulturschichtenpaket der mittleren bis späten Urnenfelderzeit (Ha A2 – B3). Zwischen 1987 und 1990 fand die taucharchäologische Dokumentation und Bergung des uferparallel gelagerten Einbaums durch die BGfU e. V. statt. Sein Eichenholz erbrachte ein dendrochronologisches Datum für das Jahr 900 v. Chr. (Späte Urnenfelderzeit). Damit gilt der Roseninsel-Einbaum nicht nur als das größte prähistorische Wasserfahrzeug seiner Art in Mitteleuropa, sondern auch als der älteste bekannte Einbaum Bayerns. Zusammen mit dem Schweizer Geologen und Pfahlbaukenner E. Désor gelang es den beiden Münchner Professoren M. Wagner, einem Ethnologen, und C. T. von Siebold, einem Anatom, bereits im Jahre 1864, vorgeschichtliche Siedlungsreste im Flachwasser der Roseninsel zu lokalisieren. 1864 und 1865 legte der Starnberger Landrichter und archäologische Autodidakt Sigmund von Schab erste kleinere Sondageschnitte auf der Insel an. Bei niedrigen Pegelständen ließ er schließlich zwischen 1873 und 1874 insgesamt 76 Fundgruben mit einer Gesamtfläche von 1295 m² in den zeitweilig trocken gefallenen Flachwasserzonen ausgraben. Bis heute gelten die Maßnahmen von Schabs als die umfangreichsten archäologischen Eingriffe an der Roseninsel. Verschiedene weitere Aktivitäten vor Ort folgten, jedoch ohne einen nennenswerten wissenschaftlichen Eindruck zu hinterlassen. Erst die Entdeckung des Roseninsel-Einbaumes 1986 läutete erneut intensive Forschungen vor Ort ein. Diese konzentrierten sich vor allem auf die Flachwasserzonen der Insel und wurden durch die BGfU e. V. betrieben. 1987 und 1990 versuchte man mit Hilfe eines Bohrprogramms die Stratigraphie rund um die Insel zu entschlüsseln. Eine 125 m² umfassende Oberflächenaufnahme des Seebodens vor dem Südostufer sollte Erkenntnisse zu den verschiedenen Besiedlungsphasen bringen. Diese Arbeiten fanden 1991, 1992 und 1994 statt. 1998 und 2002 grub das Landesamt für Denkmalpflege auf der Insel selbst aus. Die Gewässer vor der Nordostspitze wurden schließlich zwischen 2005 und 2007 eingehend untersucht. Hölzerne Überreste und Kulturschichtablagerungen von beträchtlicher Mächtigkeit scheinen sich auf die Gewässer vor dem wind- und erosionsgeschützten Westufer zu konzentrieren. Dort wechseln sich anthropogen beeinflusste Horizonte und Seekreidelagen ab. Letztere sind Anzeichen für permanente Überschwemmungen aufgrund gestiegener Pegelstände. Das exponierte, seezugewandte Ost- und Nordufer wird primär durch Erosion gefährdet, hervorgerufen durch die aufrollende Brandung. Jedoch konnten auch dort Kulturschichtablagerungen und vor allem zahlreiche Pfahlstellungen und liegende Bauhölzer unter Wasser beobachtet werden. Das Südufer wiederum ist erheblich durch die Anschüttungen des 19. Jahrhunderts verändert worden. Blütezeiten erlebte die Roseninsel in der Übergangsperiode zwischen früher und mittlerer Bronzezeit, d. h. dem 17./16. Jahrhundert v. Chr., und vor allem in der mittleren bis späten Urnenfelderkultur, den Stufen Ha A2 bis Ha B2/3 (Mitte 11. bis Ende 9. Jahrhundert v. Chr.). Insgesamt korrespondieren die bronze- und urnenfelderzeitlichen Besiedlungsabfolgen auf der Roseninsel und an den Seeufern des Pfahlbaukreises hervorragend miteinander. Verlagerte Schwellrahmenkonstruktionen - Indizien für eine ebenerdige Ständerbauweise – und eine verkippte Palisade aus den Gewässern vor der Nordostspitze der Roseninsel konnten der ausklingenden Hallstatt- bzw. der frühen Latènezeit zugewiesen werden. Kalendarisch entspricht dies dem Zeitraum zwischen dem Ende des 6. und dem Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr. Auf der eisenzeitlichen Landkarte Mitteleuropas markiert die Roseninsel damit einen exzeptionellen Fundpunkt, der unter den Seeufersiedlungen des zirkumalpinen Raumes bislang Seinesgleichen sucht. Generell brach deren Belegung mit dem Ende der Urnenfelderzeit am Übergang vom trockenen Subboreal zum feuchten Subatlantikum ab. Die jüngsten Schlagdaten aus späturnenfelderzeitlichen Seeufersiedlungen datieren in die Zeit um 800 v. Chr. Die Roseninsel hingegen war auch in Epochen bewohnt, die üblicherweise durch ein Verlassen der Seeufer charakterisiert sind. Neben einem zweischiffigen Gebäude der frühen Latènezeit aus der ansonsten spätbronzezeitlichen Pfahlbaustation Tresserve „Le Saut“ am Lac du Bourget in Savoyen, Frankreich, stellen die Baubefunde von der Nordostspitze derzeit die einzigen greifbaren Belege für Ufersiedlungen aus der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. in unseren Breiten dar. Ähnliche Schwellbalkenkonstruktionen wie jene von der Roseninsel sind dagegen für diverse späthallstattzeitliche Mineralbodensiedlungen - etwa für die Heuneburg an der oberen Donau - belegt.

Bibliography comment

Beer 1987, 58-60; Beer 1989, 84-87; Fesq-Martin u. a. 2002, 167-173; Fischer 1998, 219-238; von Schab 1877, 1-90; Schlitzer 2009, 493-504; Schlitzer/Beer 2009, 71-77; Schlitzer/Pflederer 2006a, 87-91; Schlitzer/Pflederer 2006b, 73-75; Schmid 1995, 64-70; Schmid 2000, 23-28; Schmid u. a. 2009, 97-123; Schönfeld 2000, 29-36.