Geltendorf/LL - Unfriedshausen

Country/Area

Community

Geltendorf/LL

Place name

Unfriedshausen

Type of site

UNESCO-World Heritage Site (WH / S1)

Last edited by

admin

Last update

Thu, 02/19/2015 - 17:16

Responsible for site

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4
80539 München
e-mail: juergen.obmann@blfd.bayernde

Administrative contact

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Hofgraben 4 D - 80539 München

Dating

Years BC

Extension (ha): 
0,79
Height above sea level (m): 
563,00

Map of pile dwelling sites

Dating text

Re-used timbers found in Unfriedshausen-East, phase I, have felling dates of 3813, 3760 and 3670 BC. Dendrochronological analyses date phase II at 3537 BC and phase III between 3532 and 3519 BC. The wood being used in Unfriedshausen-West, phase II, was felled between 3525 and 3517 BC. The previous construction phase (phase I) appears to have begun in 3535 BC. It has not yet been possible to date the earliest settlement phase in Unfriedshausen-West, also known as phase 0. / Für die ältesten in Unfriedshausen-Ost gefundenen Hölzer wurden Schlagdaten von 3813, 3760 und 3670 BC ermittelt. Sie wurden vermutlich sekundär verbaut (Siedlungsphase I). Kurz hintereinander folgten die Siedlungsphasen II und III in Unfriedshausen-Ost, welche Dendrodaten für die Jahre 3537 BC (Phase II) und die Zeit zwischen 3532 und 3519 BC (Phase III) lieferten. Damit bestanden sie synchron zur wenige Meter nordwestlich gelegenen Siedlung Unfriedshausen-West, Bauphase II. Dort wurden die Häuser ab 3525 BC sukzessive errichtet. Jüngste Reparaturen sind für das Jahr 3517 BC belegt. Die vorangegangene Bauphase I in Unfriedshausen-West konnte mit einer Belegung ab dem Jahr 3535 BC in Verbindung gebracht werden. Für die älteste Siedlungsphase in Unfriedshausen-West, auch als Phase 0 bezeichnet, liegt bislang kein Datum vor.

Description

Unfriedshausen lies in the boggy floodplain of the Loosbach brook in western Upper Bavaria. The site is located on Alm soil in the wetlands immediately to the east of the current brook. In 1986, during the construction of a NATO pipeline, wooden features from an Altheim culture settlement were discovered. This Neolithic village is known today as Unfriedshausen-West. From 1994 to 1999, Unfriedshausen-West was almost completely documented by the State Conservation Office (G. Schönfeld). Additional excavations in the years 2000 and 2002 showed that another wetland settlement of the Altheim culture existed just a few meters to the southeast. The new site was titled Unfriedshausen-East. In contrast to Unfriedshausen-West, it has neither been affected by the pipeline construction, nor by the accompanying drainage trenches. As the features lie almost continually in the ground water, their preservation is not endangered in the medium term. In all, three construction phases could be identified in Unfriedshausen-West as well as in Unfriedshausen-East. Both villages were enclosed by wickerwork fences and connected via a log paved path that continued northwest until it reached the edge of the valley. By this, areas of cultivable land on the nearby terrace above the floodplain were made accessible for the settlers. The houses of the settlements were usually grouped on both sides of a main road and divided into a living area and a stable. They used to be pile constructions with roof ridges and double-layered floors of intersecting timbers. Most of the houses showed similar dimensions, measuring only between 7 m - 7.40 m in length and 3.40 m - 4 m in width. At first, Unfriedshausen-West consisted of two, then six and later up to twelve small houses. The size of the village grew over time from 23 x 11 m to a maximum of 35 x 22 m. Remains of the former gate of the settlement were destroyed by the pipeline constructions. Unfriedshausen-East was apparently destroyed by a fire in phase II. Afterwards it was systematically levelled to make way for settlement III, the latest occupation phase on site. This phase is very similar to the those of Unfriedshausen-West and Pestenacker. Although the earliest village at Unfriedshausen-East (phase I) is massively disturbed by younger features, it seems to differ from the other settlements. The houses were slightly smaller (6.5 m x 4 m) and arranged in three rows. Interestingly, old timbers had been re-used for construction in this phase. It can be assumed that abandoned settlements in the vicinity of the site had been exploited as sources for timber. The precise localisation of these settlements is a task for future research. / Unfriedshausen, Gde. Geltendorf, befindet sich im Tal des verlorenen Baches in der Nähe von Landsberg am Lech im westlichen Oberbayern. Heutzutage ist die Bachaue, ein ehemaliger Seitenarm des Lech, weitgehend vermoort. Die Fundstelle liegt unmittelbar östlich des heutigen Loosbaches in ca. 50 m Entfernung zum Talrand auf Almboden. 1986 entdeckte man bei der Verlegung einer NATO-Pipeline Holzbefunde einer altheimzeitlichen Siedlung, welche heute als Unfriedshausen-West bezeichnet wird. Im selben Jahr fand eine erste Notgrabung durch den Kreisheimatpfleger in dem ca. 8 m breiten Trassenbereich statt. 1987 folgte eine aufwendige Bohruntersuchung, welche klären sollte, ob ein baulicher Zusammenhang mit der nur 500 m weiter nördlich gelegenen, altheimzeitlichen Siedlung von Pestenacker (DE-BY-01) gegeben sei. Diese Hypothese konnte verneint werden. Kontrollen in den Jahren 1993 und 1994 offenbarten das zunehmende Trockenfallen der Fundstelle, bedingt durch die oberflächennahe Lage der Befunde und die Drainagewirkung der NATO-Pipeline. Daraufhin wurde eine systematische Flächengrabung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege unter der Leitung von G. Schönfeld initiiert. Zwischen 1994 und 1999 konnte Unfriedshausen-West nahezu vollständig ergraben werden. Eine zunächst vermutete, weitgehende Zerstörung der Siedlung durch den Pipelinebau und durch Austrocknung bestätigte sich im Zuge der Grabungen jedoch nicht. Bei Sondagegrabungen rund um Unfriedshausen-West im Jahre 1999 entdeckte man einige Meter südöstlich der bekannten Siedlung einen nach Südosten führenden Knüppeldamm. An dessen Seiten zeigten sich Pfosten und Estrichlehmreste, womit sich weitere Baubefunde ankündigten. Grabungen der Jahre 2000 und 2002 machten deutlich, dass sich dort eine weitere altheimzeitliche Siedlung befand. Diese neue Fundstelle wurde im Folgenden als Unfriedshausen-Ost bezeichnet, während der ursprüngliche Grabungsort von nun an unter der Bezeichnung Unfriedshausen-West firmierte. Im Gegensatz zu Unfriedshausen-West ist Unfriedshausen-Ost weder durch den Pipelinebau noch durch die begleitenden Drainagegräben in Mitleidenschaft gezogen worden und auch nicht von Trockenheit bedroht. Da die Befunde nahezu dauerhaft im Grundwasser liegen, sind sie in ihrer Erhaltung mittelfristig nur gering gefährdet. Aus diesem Grund wurden die Grabungen vor Ort vorerst eingestellt. Unfriedshausen-West war eine mehrphasige Siedlung. Insgesamt konnten drei übereinander liegende Bauphasen mit extrem geringen Niveauunterschieden identifiziert werden. Das Kulturschichtenpaket war bis zu 0,40 m mächtig und stellenweise von einer dünnen Torflage überdeckt. Darüber folgte eine rund 0,20 m starke Hochflutlehmdecke. Zunächst bestand das Dorf aus zwei, dann aus sechs und dann aus bis zu zwölf Kleinhäusern, immer umfriedet von einem insgesamt dreimal neu angelegten Flechtwerkzaun. Letzterer findet eine baugleiche Entsprechung in der Siedlung von Pestenacker. Die Dorffläche vergrößerte sich im Verlauf der Zeit von 23 x 11 m auf maximal 35 x 22 m. Ein Hauptweg zog sich mittig durch zwei flankierende Häuserzeilen und wurde ab der letzten Bauphase als befestigter, ca. 2 m breiter Bohlenweg ausgeführt. Das ehemalige Tor der Siedlung wurde beim Pipelinebau zerstört, jedoch weiß man, dass der Weg 11 m nach Osten aus der Siedlung hinaus führte, dann nach Nordosten abknickte und sich schließlich bis zum 30 m entfernten Terrassenrand erstreckte. Alle Häuser wiesen eine einheitliche Bauweise auf. Sie waren ca. 7,40 m x 3,40 groß, als Pfostenbauten mit Dachfirst konstruiert worden und besaßen einen zweilagigen Hausboden. Eine untere Lage bestand aus längs verlegten Weichhölzern, darüber hatte man in der Regel dünne Äste und Hölzer quer zur Hausachse angeordnet. Der Wandaufbau war in horizontal verlegten Bretterlagen ausgeführt. Eine funktionale Zweiteilung der Häuser in Wohn- und Stallbereich war die Regel. Insgesamt entsprechen die Gebäude aus Unfriedshausen-West weitestgehend denen aus der Siedlung von Pestenacker. Ein Abzweig des Verbindungsweges zum Talrand führte nach wenigen Metern in die Siedlung Unfriedshausen-Ost. Dort fanden sich stark zerstörte Befunde einer mehrphasigen Ansiedlung. Auch hier lagen insgesamt drei verschiedene Bauphasen mit nur geringem Niveauunterschied direkt übereinander, was ihre Differenzierung sehr erschwerte. Alles in allem ähnelt das Bild der jüngsten Siedlungsphase (Phase III) dem von Unfriedshausen-West und Pestenacker. Innerhalb einer umzäunten Dorffläche gruppierten sich kleine, ca. 7 x 4 m messende Wohnstallhäuser mit zweilagigem Boden beiderseits eines Hauptweges. Die darunterliegende Schicht (Phase II) wurde offensichtlich weitgehend durch ein Schadfeuer zerstört und die Hausplätze anschließend systematisch für Neubauten planiert. Während ihrer frühesten Bauphase (Phase I) war die Siedlung von Unfriedshausen-Ost offensichtlich in mindestens drei Häuserzeilen gegliedert. Die Hausgrundrisse selber waren geringfügig kleiner (6,5 x 4 m) als in den nachfolgenden Belegungshorizonten. Bemerkenswert für diese Phase ist die Tatsache, dass dort diverse Althölzer mit unterschiedlichen Datierungen - zwischen 3813 und 3670 BC - sekundär verbaut worden sind. Es ist wohl davon auszugehen, dass sich rund um die Fundstellen noch weitere, ältere Siedlungen der Altheimer Kultur befunden haben, die nach ihrer Auflassung als Bauholzquellen ausgeschlachtet wurden. Die Lokalisierung derartiger Siedlungen ist Aufgabe zukünftiger Forschungen. Für die Altheimer Kultur ist bezeichnend, dass sich die Siedlungen auf engem Raum zusammenballen und am Verlauf kleiner Fließgewässer orientieren. Diese wurden vermutlich über längere Zeiträume hinweg als Siedelkammern genutzt. Unfriedshausen ist ebenso wie die drei anderen bayerischen Feuchtbodensiedlungen der Altheimer Kultur - Pestenacker, Ergolding-Fischergasse und Essenbach-Koislhof - in einer Bachaue situiert. Die zugehörigen landwirtschaftlichen Flächen befanden sich in unmittelbarer Nähe auf den höher gelegenen Terrassen. Im Falle von Unfriedshausen und Pestenacker konnten dorthin sogar hölzerne Verbindungswege nachgewiesen werden. Die Befunde aus Unfriedshausen-West und -Ost belegen, dass in der Altheimer Kultur Filialsiedlungen sowohl nacheinander als auch gleichzeitig angelegt wurden. Gerade zeitgleich entstandene Schwestersiedlungen verweisen auf enge familiäre bzw. verwandtschaftliche Verhältnisse, weshalb man hier von einem Clan- oder Filialsiedlungssystem sprechen muss.

Bibliography comment

Huber 1987, 48-49; Schönfeld 1995a, 40-42; Schönfeld 1995b, 58-63; Schönfeld 1996/1997, 3-16; Schönfeld 2003, 3-8; Schönfeld 2009, 157-168; Schönfeld/Weidemann 1994, 48-51.