Lake Starnberg, unincorporated area/STA - Kempfenhausen

Country/Area

Community

Lake Starnberg, unincorporated area/STA

Place name

Kempfenhausen

Type of site

Pile Dwelling Site (PD / S3)

Last edited by

admin

Last update

Thu, 02/19/2015 - 17:16

Responsible for site

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4
80539 München
e-mail: juergen.obmann@blfd.bayernde

Administrative contact

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Hofgraben 4 D - 80539 München

Dating

Years BC

Extension (ha): 
1,15
Height above sea level (m): 
584,00

Map of pile dwelling sites

Dating text

The site at Kempfenhausen has been dated to the beginning of the Neolithic Altheim culture. Dendrochronological examinations of timber with preserved wanes indicate a short period of construction between 3728 and 3719 BC. The majority of wood was felled between 3723 and 3719 BC. / Die Station von Kempfenhausen ist der beginnenden Altheimer Kultur zuzuweisen. Dendrochronologisch beprobte Hölzer mit erhaltener Waldkante belegen eine kurze Bautätigkeit zwischen 3728 und 3719 v. Chr. Der Schwerpunkt der Fälldaten lag zwischen 3723 und 3719 v. Chr.

Description

The site is located close to the village of Kempfenhausen, approx. 160 m away from the northeastern shore of Lake Starnberg. It rests on the bank of an underwater moraine that measures roughly 150 m long and 50 m wide. At the time of the late Neolithic settlement the water level was about 4.5 m lower than the current mean-water level. The shallow used to be a small island then. From 1985 to 1986 roughly one third of the settlement area was examined by the Bavarian Society for Underwater Archaeology. Since 1997 further surface documentations were conducted. All research activities at the site ended in the year 2000, when a trail trench measuring 4 x 2 m was excavated in order to clarify the development of the local stratigraphy. The crown of the moraine bank has already been eroded. A protective layer of lake marl covers the ground that slopes downwards to the sides. Below that, especially to the east of the pebble bank, a thin (0,15 m thick) occupation-layer deposit consisting mainly of detritus was documented. It represents a destruction level that developed when the site was abandoned due to rising water levels. The pile field at the site consists primarily of extremely eroded oak and ash timber and is concentrated in a roughly 45 x 12 m area at the former island bank. It was not possible to reconstruct clear floor plans of houses. The layout of the piles, which has not yet been clearly understood, may be related to a multi-phased settlement. Most objects from Kempfenhausen have been dated to the Altheim culture and confirm the dendrochronological results. Compared with the overall amount of finds, an unusually high portion of copper artefacts was discovered. The pure copper – enriched only with arsenic –originated in the northern alpine Mondsee area (Salzkammergut, Austria). Symbols of the sun and concentric circles decorating ceramic vessels from Kempfenhausen indicate contact with the neighbouring Mondsee group as well. In addition, the pottery from Kempfenhausen shows connections with the Pfyn-Altheim group in Upper Swabia. The island settlement is believed to have been a wealthy way station in the Neolithic distribution system for extremely valuable copper from the Mondsee region in the east to the settlements of the Pfyn culture at Lake Constance and Lake Zurich in the west. According to pollen analyses and dendrochronology, the environment of the pile dwelling settlement must have consisted of virgin forest. After the forest was cleared, the trees were used for construction. It appears that the Altheim culture settlers were immigrants from one of the above-mentioned regions. Their first task was to make the land arable. / Die Fundstelle befindet sich ca. 160 m vor dem Nordostufer des Starnberger Sees bei Kempfenhausen. Dort liegt sie auf einem rund 150 m langen und 50 m breiten, unterseeischen Moränenrücken. Zur Zeit der jungneolithischen Besiedlung war der Seespiegel ca. 4,5 m tiefer als der derzeitige Mittelwasserstand. Vom gegenüberliegenden Ufer ist die Untiefe durch eine flache geologische Rinne getrennt, was auf eine echte Insellage der Siedlung schließen lässt. 1982 wurden die Befunde auf der Untiefe bei Kempfenhausen durch einen Sporttaucher entdeckt. 1984 gelang die präzise Lokalisierung mittels Luftbild durch O. Braasch. 1985 - 1986 wurde ca. ein Drittel des Siedelareals im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege durch die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V. dokumentiert. 1997 folgten weitere Oberflächenaufnahmen, welche unter Einbeziehung einer 4 x 2 m umfassenden Sondagegrabung zur Klärung des lokalen Schichtaufbaus bis zum Jahre 2000 andauerten. Auf dem Scheitelpunkt des Moränenrückens befinden sich größere Bruchsteine und Kiesel, die eine bereits aberodierte Fläche anzeigen. Der in West-Ost-Richtung angelegte Profilschnitt machte sichtbar, dass das Gelände zu den Seiten hin abfällt und von einer schützenden Seekreidelage überdeckt wird. Darunter, insbesondere östlich des Kiesrückens, gelang der Nachweis einer dünnen (0,15 m breiten) Kulturschichtablagerung aus Pflanzendetritus, die mit teilweise bearbeiteten Spalthölzern, Rinden, Ästen sowie Holzkohle- und Keramikbestandteilen durchsetzt war. Diese Kulturschicht verbreitert sich keilförmig gegen den Rücken hin. Sie wird nicht als klassischer 'fumier lacustre' vom Beginn der Siedeltätigkeit auf dem zeitweilig trocken gefallenen Moränenrücken gehandelt. Vielmehr repräsentiert sie einen Zerstörungshorizont, welcher beim Auflassen der Station entstand und mit steigenden Pegelständen in Verbindung gebracht werden kann. Das Pfahlfeld der Station Kempfenhausen besteht zumeist aus stark erodierten Eichen- bzw. Eschenhölzern und konzentriert sich auf eine ca. 45 x 12 m große Fläche im Bereich des ehemaligen Inselrückens. Eindeutige Hausgrundrisse ließen sich nicht rekonstruieren. Alle dendrochronologisch erhobenen Daten umreißen eine relativ kurze Belegungszeit im letzten Viertel des 38. Jahrhunderts v. Chr. Der bislang nicht zu entzerrende Pfahlplan spricht womöglich für eine mehrphasige Ansiedlung. Alternativ könnte die enorme Zahl an Pfählen auch auf sogenannte 'Stelzbauten' hinweisen. Ein Bauholz mit entsprechendem Konstruktionselement - einer rechteckigen Durchlochung - wurde in Kempfenhausen gefunden. Vergleichsfunde kennt man etwa aus der Schweizer Moorsiedlung Thayngen-Weier (CH-SH-01) im Kanton Schaffhausen. Die Fundstücke der Station von Kempfenhausen gehören zumeist in die Altheimer Kultur und bestätigen die Ergebnisse der Dendrochronologie. Das Gros der 354 geborgenen Funde stellen Keramikfragmente (306 Stücke) dar. Die Übereinstimmung mit Gefäßen der Altheimer Kulturgruppe ist groß, allerdings fehlen die charakteristischen Tupfenrandleisten. Unter den organischen Fundstücken ist ein gut erhaltenes, rund 2 m langes und geknotetes Schnurfragment unbekannter Funktion besonders erwähnenswert. Auffällig ist ferner der in Relation zur Gesamtfundmenge ungewöhnlich hohe Anteil kupferner Artefakte. Insgesamt wurden ein Flachbeil, eine Ahle und ein triangulärer Nietdolch vom Typ Cucuteni A aus Kupfer geborgen. Dabei handelte es sich jedoch ausschließlich um unstratifizierte Oberflächenfunde. Röntgenfluoreszenzanalysen des Kempfenhausener Kupfers weisen auf eine östliche Herkunft des Rohmaterials hin. Ahle und Beil wurden aus reinem, nur mit Arsen angereichertem Kupfer gefertigt, dass für die nordostalpine Mondsee Gruppe im heutigen Salzkammergut bezeichnend ist. Auch im keramischen Inventar spiegeln sich Kontakte in die benachbarte Mondsee Gruppe wieder. Sonnensymbole und konzentrische Kreiselemente wie man sie auf Kempfenhausener Keramik fand sind dort charakteristisch. Ebenso deutliche Bezüge zeigt das Kempfenhausener Material in Richtung Westen. Insbesondere die Formen und die Punktzier der Keramik können gut mit dem Keramikinventar der Pfyn-Altheimer-Gruppe in Oberschwaben parallelisiert werden. Die Pollenprofile aus der Landschaft rund um den Starnberger See und die dendrochronologischen Untersuchungen in Kempfenhausen deuten darauf hin, dass im Umfeld der Pfahlbaustation dichter Urwald bestanden haben muss, welcher nach seiner Rodung auch als Bauholz Verwendung fand. Vermutlich waren die altheimzeitlichen Siedler Zuwanderer aus einer der erwähnten Regionen und mussten das Land zunächst urbar machen. Jungwuchs fand daher bei Anlage der Siedlung keine Verwendung. Dieser Befund steht in deutlichem Kontrast zu den aus Pestenacker (DE-BY-01) und Unfriedshausen (DE-BY-02) bekannten Verhältnissen. Es wird damit gerechnet, dass Kempfenhausen eine Zwischenstation im Distributionssystem des Mondseekupfers in Richtung der Pfyner Siedlungen am Boden- und Zürichsee einnahm. Zudem liegt der Starnberger See seit alters her im Bereich einer Nord-Süd gerichteten Alpentransversale, die vom bayerischen Alpenvorland durch das Loisach-, Isar-, Inn- und Etschtal bis hin zum Gardasee reichte. Jungneolithisches Kupfer war ein wertvolles und rares Handelsgut, dessen Gewinnung und Verhüttung mit außerordentlichem Aufwand verbunden war. Der überproportionale Anteil an kupfernen Objekten im Kempfenhausener Fundgut deutet einen gewissen Reichtum der Inselsiedlung an. Das damit verbundene Sicherheitsbedürfnis ihrer Bewohner wird bei der Standortwahl eine wichtige Rolle gespielt haben.

Bibliography comment

Beer 1986, 40-42; Beer/Mainberger 1997, 7-36; Beer/Mainberger 1998, 38-40; Beer u. a. 2000, 53-62; Beer u. a. 2009, 125-136.