Weil/LL - Pestenacker

Country/Area

Community

Weil/LL

Place name

Pestenacker

Type of site

UNESCO-World Heritage Site (WH / S1)

Last edited by

admin

Last update

Thu, 02/19/2015 - 17:16

Responsible for site

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4
80539 München
e-mail: juergen.obmann@blfd.bayernde

Administrative contact

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Hofgraben 4 D - 80539 München

Dating

Years BC

Extension (ha): 
0,57
Height above sea level (m): 
561,00

Map of pile dwelling sites

Dating text

According to dendrochronology, the early beginnings of the site - settlement phase IA - date back to the years 3495 – 3491 BC. Settlement IB existed from 3491 to 3476 BC. Two succeeding settlements are documented, the older of which – settlement II – must have been in use around 3457 BC. A synchronous settlement (settlement IV) that was erected on mineral soil provided calibrated C14 data for the time between 3495 and 3481 BC. All settlements belong to the Neolithic Altheim culture. / Die Gründungsphase IA der altheimzeitlichen Feuchtbodensiedlung von Pestenacker datiert dendrochronologisch in die Jahre 3495 – 3491 BC. Diese fiel einem Brand zum Opfer und wurde in Phase IB unmittelbar wiederaufgebaut. Siedlung IB bestand von 3491 bis 3476 BC. Für die Standzeit der älteren von zwei Folgesiedlungen - Siedlung II - ist ein Dendrodatum von 3457 BC ermittelt worden. Eine schlecht erhaltene Synchronsiedlung (Siedlung IV) auf Mineralboden erbrachte kalibrierte C14-Daten für den Zeitraum zwischen 3495 und 3481 BC.

Description

Pestenacker is located in the boggy floodplain of the Loosbach brook in western Upper Bavaria. Preserved in the groundwater or in the peat on an area of at least 45 by 70 metres, numerous remains from the Altheim culture could be found. The site was discovered in 1934, when the meandering Loosbach was straightened by the Reich Labour Service. At the present day, the brook cuts through the site, whereas in Neolithic times the water streamed round the settlement north-easterly of it. Between 1988 and 1993 as well as from 2000 until 2004, systematic investigations at the site were conducted by the State Conservation Office (G. Schönfeld). West of the Loosbach, up to seven houses remain dormant in reserve for further investigations. Four wetland settlement phases could be identified in Pestenacker. The oldest phase, settlement IA, consisted of approx. 16 houses. It only lasted 4 years, then it went up in flames and was immediately re-erected. This second settlement – phase IB – lasted 15 more years. After a small hiatus, the 3rd phase of settlement at the site began (settlement II). The youngest phase of settlement (settlement III) lacks dendrochronological data, as only 2 layers of screed could be traced. Beginning in phase II, the houses were gradually shifted to the north and to the east. The ground-water table primarily helped to conserve the remains from the old settlement phases IA and B. In all habitation phases the settlement was enclosed by at least one wickerwork fence. A corduroy road ran parallel to the inside of the fences. The houses of the settlement were arranged in three rows. A main path, c. 2.20 m wide, cut through the middle and southern row of houses, leading east until it reached the end of the valley. By this, areas of cultivable land on the nearby terrace above the floodplain were made accessible. Numerous house entrances were connected to the wooden main path by forecourts. The boardwalk itself consisted of three intersecting wooden layers. It can be assumed that the settlement was protected by a gateway that jutted out towards the east. The houses had been erected as post constructions and measured c. 8 to 3.5/4 metres. In general, they were divided into a living area and a stable. Their foundation consisted of two wooden layers covered by a clay screed. Some of the main fire places in the houses were identified as dome ovens. A poorly preserved multi-phased settlement on mineral soil (settlement IV) could be detected 25 m east of the wetland site, close to the edge of the valley. It existed contemporaneously with phases IA and IB. Accordingly, Pestenacker must have been part of a Neolithic settlement cluster in the Loosbach Valley. / Pestenacker befindet sich im Tal des verlorenen Baches in der Nähe von Landsberg am Lech im westlichen Oberbayern. Heutzutage ist die feuchte Bachaue, ein ehemaliger Seitenarm des Lech, weitgehend vermoort. Konserviert im Grundwasser und auf Torf haben sich dort auf rund 45 x 70 m Fläche zahlreiche feuchtbodentypische Befunde erhalten. 1934 wurde der Loosbach zwischen Pestenacker und Unfriedshausen durch den Reichsarbeitsdienst in eine neues, gerades Bett verlegt. Im Zuge der Bachbegradigung entdeckte man südlich des Einödhofes Schmid prähistorische Holzbefunde. Heutzutage durchschneidet die bis zu 6 m breite Bachrinne die Fundstelle, der jungneolithische Bach umfloss dagegen die Siedlung im Nordosten. P. Reinecke, seines Zeichens bayerischer Landesarchäologe, inspizierte den Fundort kurz nach seiner Auffindung und sprach ihn als Siedlung der Altheimer Kultur an. Die Bedeutung als Feuchtbodensiedlung wurde jedoch zunächst verkannt. 1960 folgte eine Sondierung durch einen Laien, 1972 weitere Sondagen durch H.-P. Uenze von der Archäologischen Staatssammlung München. 1988 begann schließlich eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 'Siedlungsarchäologie im Alpenvorland' finanzierte Flächengrabung unter der Leitung von G. Schönfeld, die bis 1993 andauerte. Zwischen 2000 und 2004 wurde die Grabung in alleiniger Trägerschaft des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege fortgeführt. Die archäologischen Maßnahmen vor Ort wurden eingestellt, als die Häuser östlich des heutigen Baches weitgehend ergraben waren. Westlich des Loosbaches ruhen als Forschungsreserve bis zu sieben weitere Gebäude. In Pestenacker ließen sich vier Besiedlungsphasen im Feuchtboden nachweisen. Die älteste altheimzeitliche Siedlung IA bestand nach derzeitigem Kenntnisstand aus ca. 16 Häusern. Sie existierte nur 4 Jahre und wurde dann Opfer eines Schadfeuers. Bis auf einzelne Häuser (Haus 3A und 4A) sowie den Flechtwerkzaun, welche den Brand beschädigt überstanden und repariert werden konnten, wurden alle Gebäude zerstört. Mit den Wiederaufbauten wurde der Dendrochronologie zufolge im gleichen Jahr begonnen. Hierzu planierte man die Brandschicht und errichtete am alten Platz baugleiche Folgebauten. Diese Folgesiedlung - als Siedlung IB bezeichnet - währte weitere 15 Jahre. Phase IB stellt den dicksten Horizont des bis zu 1,35 m mächtigen Kulturschichtenpaketes in Pestenacker dar. Nach einem wenige Jahre währenden Hiatus kam es zu einer dritten Besiedlungsphase vor Ort (Siedlung II). Für die jüngste Siedlungsphase - Siedlung III - fehlen dendrochronologische Daten, da sie sich nur anhand von zwei Estrichen nachweisen ließ. Allerdings ruhten diese auf dem ehemaligen Hauptweg des Dorfes. Ab der Siedlungsphase II wurden die Häuser und das Wohnareal schrittweise um einige Meter nach Norden und Osten verlegt, was von den Estrichen aus Siedlung III unterstrichen wird. Bedingt durch den Grundwasserstand, welcher primär die unteren Befundschichten schützt, haben sich vor allem die älteren Besiedlungsphasen (Siedlung IA und IB) erhalten, während die jüngeren Befunde nur partiell konserviert sind. Sie ließen sich nur schwer zu Bauphasen zusammenfassen. Wie viele Häuser nach dem Brand in den auf Phase IA folgenden Siedlungen neu errichtet wurden ist derzeit unklar, da noch nicht alle Hausplätze - insbesondere westlich des Baches - ergraben worden sind. Umgeben wurde das Dorf zu allen Zeiten seiner Besiedlung von einem Flechtwerkzaun auf mindestens drei, vermutlich sogar vier Seiten. Innenseitig wurde der Zaun von einem rundum laufenden Weg begleitet. Insgesamt ließen sich drei Zäune nachweisen, welche mit den Siedlungsphasen in Pestenacker korreliert werden konnten. Sie wurden regelmäßig repariert und bestanden im Falle der Bauphasen I und II sogar teilweise gleichzeitig. Die Häuser der mehrphasigen Siedlung waren dreizeilig angeordnet. Ein rund 2,20 m breiter Hauptweg zog sich zwischen der mittleren und der südlichen Häuserzeile von West nach Ost durch die Ansiedlung und von dort weiter bis zum östlichen Talrand. Besonders deutlich wird dies in den Bauphasen I und II. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen lagen in direkter Nähe zur Siedlung auf der Hochterrasse über der Talaue und konnten über den hölzernen Verbindungsweg schnell erreicht werden. Durch einen Vorplatz waren die Eingänge der Wohnbauten dem hölzernen Hauptweg angeschlossen. Der Aufbau des Weges war in der Regel dreilagig. Auf quer zur Wegachse orientierten, mächtigen Birkenrundlingen ruhte eine Lage kräftiger, 2-3 m langer Rundlinge in Wegrichtung. Darauf folgten - wieder quer zur Wegrichtung - dicht an dicht gelegte Eichenhalb- und -rundlinge, die den oberen Abschluss der Konstruktion bildeten und als Wegdecke fungierten. Der Dorfeingang befand sich an der Ostseite der Siedlung. Vermutlich gab es dort eine Art Zangentor, das in Richtung Osten vorkragte. Ca. 4 m östlich des Tordurchlasses floss der bis zu 3 m breite, siedlungszeitliche Loosbach, in dessen Schleife Pestenacker lag. Dort muss folglich eine Brückenkonstruktion vorausgesetzt werden. Die meisten Gebäude waren als zweigeteilte Wohnstallhäuser konzipiert worden. Mit Hilfe von Flechtwerkwänden wurde eine Quergliederung des Innenraums vorgenommen. Die Außenwände bestanden aus waagerecht - an den Giebelseiten zuweilen auch senkrecht - verlegten Bretterlagen. Es handelte sich fast ausnahmslos um Pfostenbauten, die in der Regel ein zweilagiges Fundament mit Astbett und aufgebrachter Weichholzlage aufwiesen. Die Fundamentfüllung bestand aus Mist, Holzabfällen und anderen organischen Materialien. Bedeckt wurde das Fundament mit 1-2 cm dicken Estrichlehmen, die öfters ausgebessert oder erneuert werden mussten. Dergestalt kam es zu einer allmählichen Erhöhung des Fußbodenniveaus. Die Hauptfeuerstellen der Häuser konnten teilweise als Kuppelöfen identifiziert werden. Dort wölbten sich die Fußböden zu regelrechten Buckeln auf, da die Feuerstellen mehrschichtig fundamentiert und erneuert worden waren. Alle bisher ergrabenen Gebäude zählen zur Kategorie der Kleinhäuser. Sie maßen in etwa 8 x 3,5/4 m. Ca. 25 m östlich der Siedlung von Pestenacker konnte zudem eine mehrphasige, altheimzeitliche Mineralbodensiedlung nachgewiesen werden (Siedlung IV). Sie wurde bei Bohrungen und vor allem bei der Anlage von Entwässerungsgräben für die Feuchtbodengrabung entdeckt. Ihre Lage am östlichen Rand der Bachaue am Fuße der Hochterrasse bedingte die schlechte Erhaltung außerhalb des Feuchtbodens. Es konnten nur verschiedene rechteckige Feuerstellen und einige Reste von Fundamenthölzern freigelegt werden. Letztere lieferten einzelne C14-Daten. Erschlossen wurde dieses Dorf vermutlich über den Verbindungsweg zum Talrand. Anhand der Keramik lässt es sich mit den Funden aus den Siedlungen IA und IB synchronisieren. Alles in allem ähneln sich die Befunde aus Pestenacker und der nahe gelegenen altheimzeitlichen Fundstelle Unfriedshausen (DE-BY-02) sehr. In beiden Fällen begegnet man Filialsiedlungen im direkten Umfeld der Plätze und Verbindungswegen aus der Bachaue auf die bewirtschaftete Terrasse. Offensichtlich bildeten die Fundorte Pestenacker und Unfriedshausen jungneolithische Siedlungscluster im Tal des verlorenen Baches.

Bibliography comment

Bartel/Schönfeld 2004, 35-37; Bauer 1991, 50-54; Hilbig/Neef 1991, 54-55; Schönfeld 1988, 34-38; Schönfeld 1990, 355-389; Schönfeld 1991, 44-50; Schönfeld 1995b, 58-63; Schönfeld 2000/2001, 21-38; Schönfeld 2009, 137-156; Schönfeld/Bartel 1994, 51-55.